|
In vielen Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas, die über eine lange und reiche Tradition in der Herstellung hochwertiger Textilien verfügen, hat sich in den letzten Jahren eine wachsende Zahl junger Designerinnen und Designer formiert, die kleine Unternehmen gegründet haben und Mode produzieren. Sie haben den Wert ihrer lokalen Traditionen und das handwerkliche Know-how der lokalen Weber und Färber erkannt und schöpfen aus dem unermesslichen Reichtum der textilen Fertigkeiten ihrer Gemeinschaft. Sie reinterpretieren eigene und fremde Stile und Schnitte, kombinieren unterschiedlichste Materialien, kreieren tragbare Mode, aber auch Haute Couture und phantastische Kostüme. Viele afrikanische Designer sehen ihre Mode auch als Beitrag zur Bildung einer neuen Identität - gegen das Modediktat der Europäer, die schon immer bestimmt haben, was modisch angesagt ist. Dazu gehört auch, die Überflutung afrikanischer Textilmärkte mit Billigware aus Süd-Ostasien und Secondhand-Kleidung aus Europa zurückzudrängen und eine bezahlbare Mode "Made in Africa" zu produzieren.
Viele afrikanische Designer können mit den besten der Welt konkurrieren, aber ihr kreatives und auch wirtschaftliches Potenzial wird noch nicht annähernd erkannt. Hier sind zunächst die Regierungen der Länder gefragt: Sie müssten die Rahmenbedingungen in ihren Ländern verbessern, indem sie das traditionelle Textilgewerbe und junge Designer mit Krediten unterstützen, Modeschulen einrichten und die Verarbeitung von Baumwolle fördern.
Neben dem chronischen Kapitalmangel fehlen vielen Designern für eine erfolgreiche Präsentation auf internationalem Parkett auch eine effiziente Infrastruktur und ein funktionierendes Vertriebssystem. Die meisten Designer verkörpern in Personalunion alle Funktionen, für die ein europäischer Modeschöpfer einen ganzen Stab von qualifizierten Mitarbeitern beschäftigt. Deshalb werden Partner gebraucht, die sich mit Geld, Ideen und Strukturen am Ausbau der lokalen Textilproduktion und deren internationaler Vermarktung beteiligen.
Dass es dabei nicht um den Ausbau einer industriellen Massenproduktion gehen kann, liegt auf der Hand. Der Welttextilmarkt wird heute von einigen wenigen Großunternehmen vor allem aus China beherrscht, die neben einem riesigen Potential an billigen Arbeitskräften auch einen so großen technologischen Vorsprung haben, dass sie Textlilien konkurrenzlos günstig produzieren können. Für kleinere Produzenten bieten sich jedoch im Bereich der höherwertigen, handgefertigten Textilien durchaus Chancen, die viele Entwicklungsländer bisher nicht ausreichend genutzt haben.
|