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Oumou Sy

Oumou Sy aus dem Senegal gehört heute zu den herausragenden Persönlichkeiten der afrikanischen Modewelt. Die Autodidaktin lebt und arbeitet in Dakar, einem der wichtigsten Zentren der afrikanischen Mode. Getragen wird dieser Wirtschaftszweig überwiegend von Frauen, die, anders als in Europa, das Geschehen dominieren. In der Hauptstadt des Senegals arbeiten rund 3000 verschiedene Modeschöpfer und Designer. Hier gibt es keine Straße, in der nicht mindestens ein Couturier mit einem hingebungsvoll gemalten Ladenschild um Kundinnen wirbt. Egal ob Ministergattin oder Verkäuferin: Eleganz und Schönheit sind eine Frage der Ehre. Im Senegal ist Kleidung auch das Bekenntnis zum Anderssein, ein Spiel mit sinnlichen wie provokanten Kreationen. Hier zelebrieren die Modemacher ihre Lust am Schmücken, Verkleiden und Verschönern und lassen dabei afrikanische Tradition mit europäischer Moderne verschmelzen.

Oumou Sy ist eine der schillerndsten Figuren in der Modeszene von Dakar. Der Begriff Modedesignerin greift bei ihr eigentlich zu kurz. Sie arbeitet am Schnittpunkt von Mode, Kunst, Spektakel und sozialem Raum. Oumou Sy entwirft und fertigt Haute Couture, Prêt à Porter, Schmuck und Accessoires, produziert aber auch Modenschauen, Filmkostüme und Straßenparaden. Sie ist eine zentrale Figur in der Kunstszene von Dakar.

Was ihre Mode betrifft, unterwirft sie sich keinem Tagesgeschmack, keinen Konventionen, oder Ideologien. Mode ist für sie ein Spiel mit den Stilen. Sie hat keine besonderen Vorlieben, arbeitet mit nahezu allen Materialien von Palmfasern bis zu Plastikfäden, von Hand gewebtes und industrielle Massenware - alles ist wertvoll, ist Spielmaterial für ihre Fantasie. Sie mixt, was afrikanische Geschichte und globale Moderne nur so hergeben.

Die Autodidaktin beherrscht verschiedene Techniken des Färbens, Webens und Stickens und verbindet traditionelle afrikanische Muster, Stoffe und Formen mit westlichen Elementen und Motiven zu innovativen, z.T. ungemein eleganten oder witzig-ironischen Kreationen.

"Métissage" (Mischmasch, Kreuzung) nennt Oumou Sy ihren Stil. Ihrer Firma gab sie den Namen "Metissacana". Es ist ein Begriff aus der Bambara-Sprache und bedeutet: Die "Métissage" wird kommen. Geprägt hat diesen Begriff Léopold Senghor, der große Dichter und erste Präsident nach der Unabhängigkeit des Senegal, der seine afrikanisch-portugiesische Herkunft immer betont hat.

Ihre innovativen Kreationen finden große Resonanz in der internationalen Modewelt. Neben ihren zahlreichen Modenschauen in afrikanischen Ländern präsentierte Oumou Sy ihre Kollektionen seit 1982 auch in Europa, u.a. auf der Expo 2000, dem Markusplatz in Venedig, dem Millenium Dome in London, am Broadway in New York, im Louvre in Paris und auf der Altamoda in Rom.

 

Karneval und Kostüme

Seit 1998 wird der "Carnaval de Dakar" von Oumou Sy initiiert, konzipiert und gestaltet. Eine Parade, die mit 80 Wagen, tausend kostümierten Personen, Tänzern und Musikern, Pferden und vielem mehr, durch die Straßen zieht. Für diese bunte vielfältige Parade, die vom historischen erbe des Kontinents geprägt ist, entwarf Oumou Sy eine Kollektion afrikanischer Königsgewänder. Mehrere Hundert Kostüme zählt ihre Kollektion der "Rois et Reines d'Afrique": traditionelle "Königskostüme" mittlerweile.

Oumou Sy hat auch Kostüme und die Ausstattung für zahlreiche afrikanische Filme entworfen. Viel Popularität gewann Oumou Sy auch durch ihre Zusammenarbeit mit Künstlern der Musikszene, so trägt u.a. der bekannte senegalesische Sänger Youssou N'Dour ihre Mode.

1997 begründete sie die jährlich stattfindende SIMOD, "Semaine Internationale de la Mode de Dakar"; mittlerweile eine Institution, auf der sich einmal im Jahr Modeschöpfer und Designer aus aller Welt in Dakar zum Austausch von Ideen und der Präsentation ihrer neuesten Kollektionen treffen.

Für ihren herausragenden Beitrag zu einem afrikanischen Modedesign und für ihr Engagement bezüglich des Aufbaus von lokalen, nationalen und internationalen Infrastrukturen für afrikanisches Modedesign wurde Oumou Sy 1998 in Amsterdam mit dem "1er Prix de la Fondation Prins Claus" ausgezeichnet.

Dieses Engagement will Oumou Sy in den kommenden Jahren darauf ausrichten, unter dem Motto "Made in Africa" die Produktion afrikanischer Mode für den afrikanischen Markt und den Export auszubauen.

 

Das Label "Made in Africa"

Obwohl die Textilindustrie in Afrika immer mehr an Bedeutung gewinnt, wird nach wie vor überwiegend für den heimischen Markt produziert. Hinzu kommt, dass längst nicht alle Afrikaner sich die heimische Mode leisten können und deshalb billige Textilien aus Asien oder Secondhand-Kleidung aus Europa kaufen. Mit ihrem neuesten Projekt, dem Label "Made in Africa", möchte Oumou Sy entscheidende Impulse zur Veränderung dieser Situation geben. Pluspunkte wie lebendige Traditionen und Kreativität im Bereich der Mode, werden aus ihrer Sicht von Afrikanern zu wenig genutzt. Ihr Ziel ist, Entwicklung und Mode miteinander zu verbinden, indem sie Mode auch in Afrika maschinell und kostengünstig herstellt. Neue Technologien sollen eingesetzt werden, um eigene Konfektionsware zu wettbewerbsfähigen Preisen herstellen zu können und sich gegenüber Secondhand- Kleidungsimporten zu bewähren. Mit "Made in Africa" und Kleidung "aus erster Hand" sollen der afrikanische Markt und die Exportkapazitäten wachsen. Lokale Ressourcen wie Rohstoffe, das Kulturerbe, das Wissen und die Kreativität erfahren ihre Wertschätzung und sollen zum eigenen Vorteil genutzt werden.

 

Ausbildung und Professionalisierung

Die Ausbildung und Professionalisierung all derjenigen, die im Bereich des Modedesigns, der Konfektion und des Mode-Kunsthandwerks tätig sind, ist einer der Schlüssel für die Entwicklung des lokalen Modemarktes und für die Garantie der Qualität eines Labels "Made in Africa" und seines dauerhaften kommerziellen Erfolges.

Viel Anerkennung hat sich Oumou Sy auch durch ihr Engagement für die Förderung junger Designer im Senegal erworben. Sie leitet "Leydi", die von ihr gegründeten "Ateliers de Stylisme et de Formation aux Arts et Techniques Traditionelles et Modernes du Costume et de la Parure en Afrique et en Occident", in denen sie junge Designer ausbildet und gründete "Macsy", eine Schule für Models und Mannequins. Beide Einrichtungen wurden vielfach ausgezeichnet.

Die von den Ateliers Leydi ausgebildeten Handwerker, Schneider und Modeschöpfer erlernen das Handwerkszeug, um sich später in ihren Dörfern selbstständig zu machen und dort ihre Ideen afrikanischer Mode und Identität wirtschaftlich erfolgreich zu transportieren. In dem Maße, wie die dörfliche Produktion von Mode und Kunsthandwerk mit innovativen Konzepten und Designs wiederbelebt und ausgebaut wird, besteht die Möglichkeit, auf Basis eines entwickelten lokalen Marktes auch die Exporte deutlich zu steigern. Die afrikanischen Modeschöpfer können dabei mit ihren Kreationen, die schon jetzt weltweit Beachtung finden, eine zentrale Rolle in der Promotion afrikanischen Schmucks und afrikanischer "pret à porter" übernehmen.

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