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Nachhaltiger Kulturtourismus

 

Der Tourismus ist zur ersten globalen wirtschaftlichen Beschäftigung geworden und repräsentiert, vor allem in den Ländern des Südens, eine wichtige Quelle wirtschaftlichen Wachstums, für Devisen, Investitionen sowie Arbeit. Auf dem Gipfel zur Nachhaltigen Entwicklung in Johannesburg (2002) ist festgestellt worden, dass für 83% der Entwicklungsländer der Tourismus eine von drei Säulen darstellt und für 34% von ihnen sogar die allerwichtigste. In 11 von 12 Ländern, die 80% der Weltbevölkerung in extremster Armut beherbergen (mit einem Einkommen von weniger als 1 US Dollar pro Tag) wächst der Tourismus an Bedeutung.

Dennoch bleibt die Diskrepanz zwischen diesem Potenzial und der tatsächlichen Situation extremer Armut unverändert. Trotz der Expansion im Tourismus existieren große Konfliktherde der Armut sowie die Negativwirkung gewisser Praktiken.

Diese Dichotomie scheint ihre Lösung im Konzept des "nachhaltigen Tourismus" zu finden. Der Begriff bezieht sich sowohl auf die wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und ökologischen Aspekte der Entwicklung als auch auf die Mitverantwortlichkeit der lokalen Akteure und der Touristen. Im Rahmen des Gipfels von 2002 hat die Welttourismusorganisation (WTO) das Programm ST - EP (engl. Sustainable Tourism - Eliminating Poverty, dt. etwa Nachhaltigkeit im Tourismus - Abschaffung der Armut) vorgestellt, um damit auf die UN-Jahrtausend-Ziele zur Entwicklung (engl. UN Millenium Development Goals) zu antworten. Dieses Programm integriert die Teilhabe der lokalen Gemeinschaften an den Projekten und Gewinnen aus dem Tourismus, an der Erhaltung des Kulturerbes und des Friedens und besteht im Besonderen auf der Notwendigkeit des Kampfes gegen die Armut.

Das gilt umso mehr für den Kulturtourismus ("Eintauchen in die natürliche Geschichte, das menschliche und kulturelle Erbe, die Künste und die Philosophie und die Institutionen anderer Länder bzw. Regionen", WTO), als diese Praktik das stärkste Wachstum verzeichnet. Obgleich die Zahlen entsprechend den in Betracht gezogenen Parametern variieren (ausschließlich Kulturreisen oder mindestens einen Besuch einschließend), offenbaren sie gleichermaßen die wachsende Bedeutung dieser Praktik (15% im ersten Fall, 37% im zweiten).

Wie vereinbart man die positiven sozialen und wirtschaftlichen Aspekte des Kulturtourismus mit der Notwendigkeit, das kulturelle Erbe zu schützen? Darf der Imperativ der Entwicklung zulassen, dass der Konflikt zwischen Wertschätzung des kulturellen Erbes und touristischer Expansion ausufert? Welche geeigneten Methoden gibt es, den Kulturtourismus zu einem machtvollen Schalthebel für eine nachhaltige Entwicklung und für den Kampf gegen die Armut zu machen?

Die Berücksichtigung der Entwicklung durch den Kulturtourismus findet erst seit kurzem statt und ist lange Zeit vernachlässigt worden, indem er hinter den Konflikt zwischen Schutz und touristischer Wertschätzung des kulturellen Erbes gedrängt wurde.

Historisch gesehen ist der Tourismus immer als grundsätzlich wirtschaftliche Tätigkeit betrachtet worden, wohingegen das kulturelle Erbe einen nicht erneuerbaren Reichtum repräsentiert und zu unterscheiden ist von einem Produkt des klassischen Konsums. Die Wertschätzung des Erbes im Hinblick auf den Tourismus (Nutzwert) hat als Hauptziel den wirtschaftlichen Nutzen, dagegen beruht die Wertschätzung des Erbes als eigentliches Ziel (Existenzwert) hauptsächlich auf der Würdigung seiner kulturellen Dimension.

Texte wie das Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt (UNESCO, 1972), die Charta zum Kulturtourismus (ICOMOS, 1976) und Gipfeltreffen wie das von Rio (1992) haben geholfen, gewisse Bezugsrahmen für diese Interaktion zu etablieren.

Die Vorherrschaft der Weltzollorganisation (OMD) ermöglichte es, dieses Hindernis tatsächlich zu überwinden und den Entwicklungsländern bessere Perspektiven anzubieten. Es geht darum, das bestmögliche Instrument zur Bewahrung des Erbes und der lokalen Entwicklung touristisch einzusetzen.

Der Kulturtourismus ist ein Segen, der direkte Arbeitsplätze (touristische Infrastruktur) und indirekte (Bewahrung des Kulturerbes) schafft. Die Möglichkeiten vermehren sich mit der Auffächerung des Konzepts des Kulturerbes und der Kontrolle seiner Nutzung: die Nachfrage an Kultur beinhaltet den Besuch von Denkmälern, die Teilnahme an Festivals, die ökologischen und agrotouristischen Kreisläufe usw.; sie ist gleichermaßen eine Garantie zur Förderung des Verständnisses zwischen den Völkern.

Laut der Transkription der OMD in den Programmen internationaler Organisationen wie der WTO und dem globalen Ethik-Kodex für den Tourismus (2003) könnten die Ziele für den Kulturtourismus folgende sein:

- Unterstützung lokaler Initiativen und insbesondere solcher Gruppen mit Vorrang (Arme, Minderheiten, Frauen)

- Überzeugung der aktiven lokalen Bevölkerung

- Hilfe bei der Aufrechterhaltung vielfältiger Aktivitäten (Landwirtschaft, Handel)

- Unterstützung von Gemeinschaftsprojekten wie die Basisversorgung (Wasserleitungssysteme, Busnetz, sanitäre Einrichtungen) oder die Gesundheitsversorgung und Bildung

- Investitionen in die Bewahrung des Erbes

- Sensibilisierung der Touristen und Ortsansässigen für verantwortliches Handeln

Kulturerbe und Tourismus bereichern sich gegenseitig, wenn sie nicht die vor Ort herrschende Realität ignorieren (historisch, kulturell, künstlerisch). Der Kulturtourismus muss die Frucht einer endgültigen und objektiven Diagnose von Möglichkeiten, Charakteristiken und lokalen Bedürfnissen sein.

Es ist möglich, Projekte auf kleiner Ebene zu organisieren, die zwar weniger beeindruckend, jedoch rentabel und ganz sicher gerechter sind, wenn sie die tatsächlich mobilisierbaren lokalen Ressourcen (Finanzen, territoriale Netzwerke, thematische Kreisläufe) und die Perspektiven einer Integration anderer existenter lokaler Aktivitäten mit einbeziehen.

Die Berichte des UN-Entwicklungsprogramms (PNUD) von 2003, der UN-Bericht über die menschliche Entwicklung und über die kulturelle Freiheit von 2004 erlauben es, einige Schlüsse über die OMD und die kulturellen Herausforderungen zu ziehen, um eine Grundmethodologie für einen Kulturtourismus zu etablieren, die für alle Bereiche der Gesellschaft von Nutzen ist. Drei große Prinzipien scheinen naturgegeben:

1. Gezielte Lokalpolitik: die nationalen und lokalen Behörden müssen Fördergesetze verabschieden, die die Bedingungen schaffen, um die Logik des Marktes kurzfristig zu überwinden und einen fairen Kulturtourismus aufzubauen.

2. Einsatz von partizipativen Projekten: es ist wichtig, dass gleichzeitig öffentlicher und privater Sektor, beruflich mit dem Kulturerbe Verbundene und verschiedene Korporationen, Einheimische und - im Rahmen der OMD - Minderheiten als Hauptnutznießer repräsentiert sind.

3. Einheimische Kapitalbeschaffung: diese Investitionen sind a priori weniger flüchtig und entsprechen den tatsächlichen Entwicklungsmöglichkeiten.

Diese Alternativen bieten einen ausgeglichenen Weg zwischen der Verteufelung und der Verherrlichung des Tourismus. Der Kulturtourismus ist in dem Maße positiv, wo er richtig verstanden und verwaltet wird, um der menschlichen Entwicklung und der Umwelt zu dienen.

Die Teilnahme der Einheimischen an Tourismus-Projekten gibt ihnen die Möglichkeit, von den Aktivitäten auf wirtschaftlicher Ebene, aber auch im Hinblick auf die Wertschätzung ihrer eigenen Kultur, zu profitieren. Die soziale Teilhabe erlaubt es den Einheimischen außerdem, Ko-Akteure des Bildes und der Entwicklung zu sein, die sie sich für ihre Region wünschen.

Ohne jeden Zweifel verfügt der Kulturtourismus über all jenes Potenzial, um eine bedeutende Rolle bei der Erfüllung der OMD zu spielen und um zum Kampf gegen die Armut beizutragen. Es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass sich diese Tendenz umkehrt, wenn sich die Sensibilisierung bei den Touristen und den lokalen Gemeinschaften fortsetzt. Die Elemente sind vereint, jetzt bleibt es, Bedingungen zur Teilnahme und Zusammenarbeit zwischen Bürgern und lokalen Verwaltungen, zwischen Experten und Finanzgebern zu schaffen, um diese Schemata systematisch anwenden zu können.

 

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