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Die Welt (24. September 2005)
Kunstvolle Kleidung
Museum für Kunst und Gewerbe und Völkerkundemuseum: Mode aus Afrika
"Die deutschen Frauen haben einen eigenen Stil", sagt Oumou Sy durchaus respektvoll und höflich. "Vielleicht", fügt sie dann aber doch hinzu, "sollten sie noch ein bißchen mehr Farbe hineinbringen." Farbe. Und Perlen. Körbe. Muscheln. Metall, Pfauenfedern, Bausch und Bogen. Wer die phantastisch phantasievollen Kreationen der senegalesischen Modedesignerin und Kostümbildnerin im Museum für Kunst und Gewerbe betrachtet, wird hernach auf Hamburgs Flaniermeilen nur noch Grau-in-Graues, Strenges und Langweiliges ausmachen.
Sy ist eine herausragende und ungemein sympathische Vertreterin der afrikanischen Modewelt. Als Autodidaktin einfachster Herkunft hat sie früh die traditionellen Handwebetechniken ihres Landes gelernt und setzt sich heute engagiert für die Förderung des lokalen Textilhandwerks im Senegal ein. So gründete sie in der Hauptstadt Dakar eine Ausbildungsagentur für Mannequins sowie eine Mode- und Designschule; nebenbei fördert sie die Zusammenarbeit der vielen Schneidereien in der Metropole für das Label "Made in Africa". Denn ihre Landsleute, das will Sy erreichen, sollen keine Secondhand-Klamotten aus Europa tragen, auch keine Billigware aus Südostasien.
Eigenproduktion ist angesagt, denn der Wirtschaftszweig Mode boomt in den großen Städten Westafrikas. Sys Kreationen sind - auch wenn dies angesichts der ausgestellten Haute Couture schwer vorstellbar ist - erschwinglich. Im Rahmen einer Modenschau in den Fliegenden Bauten (Sonntag, 19 Uhr), wird Sy auch alltäglichere Mode zeigen. Denn: einige ihrer Kleider seien durchaus tragbar - "die anderen sind nur zum Bewundern da", freut sich die Designerin, die sich jederzeit und überall von der Muse küssen läßt. In der Tat bewundern wir vorbehaltlos. In der Ausstellung findet sich traditionell Inspiriertes ebenso wie Gewänder von eher pariserischem Chic, allesamt muten sehr elegant, geradezu königlich, zuweilen auch kriegerisch-kultisch an. Abgedrehte Bastelwerke krönen die Häupter der schwarzen Modepuppen aufs Eindrucksvollste; die multiplen Materialien und die wild gemusterten oder einfarbigen Stoffe (zum Teil handgefertigt) harmonieren wunderschön. Daß die Farben dabei eine große Rolle spielen, ist klar - bunt aber natürlich, extrem auffällig aber in sich stimmig.
Auch im Museum für Völkerkunde richtet sich die Aufmerksamkeit derzeit auf die seit den achtziger Jahren heftig rotierende Modeplattform Westafrika. Die Ausstellung "Mode in Afrika" nimmt keine speziellen Designer in den Blick, sondern zeigt die westafrikanische Mode in ihrer Entwicklung während der letzten Jahrzehnte. Denn nicht nur Dakar im Senegal bringt Prächtiges auf die Laufstege. Auch in den Metropolen Accra in Ghana, Bamako in Mali, Niamey im Niger und Yaoundé in Kamerun sind die Schneiderwerkstätten auf dynamischem Erfolgskurs. Die von der Ethnologin Ilsemargret Luttmann kuratierte Schau möchte auch die wirtschaftlichen und sozialen Hintergründe dieser Entwicklung vor dem Hintergrund der kolonialen Vergangenheit und der wachsenden Globalisierung beschreiben. jp
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